Geschichte des FV Rheinlust Söllingen e.V.
Der FV Rheinlust Söllingen e.V. wurde Ende des Jahres 1920 von 23 jungen Männern gegründet. Einen wichtigen Anstoß gab Josef Velten, der aus englischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war und dort den Fußball kennengelernt hatte. Die Anfänge waren von großem Idealismus geprägt: Zunächst wurde Geld für einen ersten Fußball gesammelt und anschließend mit Unterstützung der Gemeinde ein Sportplatz an der Bahnhofstraße geschaffen. In Eigenarbeit verwandelten die Mitglieder drei gepachtete Wiesen in ein Spielfeld. Am 17. Januar 1921 erhielt der junge Verein bei einer außerordentlichen Generalversammlung seine organisatorische Grundlage und den bis heute bestehenden Namen FV „Rheinlust“ Söllingen. Bereits im Mai 1921 zählte er 56 Mitglieder.
Sportlich entwickelte sich der Verein schnell. 1922 trat der FV Söllingen dem Südbadischen Fußballverband bei und konnte fortan an Meisterschaftsspielen teilnehmen. Noch im selben Jahr gelang die erste Meisterschaft in der C-Klasse. Die wirtschaftlich schwierigen Jahre der Inflation stellten den Verein jedoch vor enorme Herausforderungen. Zeitweise wurden Beiträge sogar in Form von Lebensmitteln wie Kartoffeln, Getreide oder Eiern erhoben. Durch den Zusammenhalt der Mitglieder, Sportfeste und andere Veranstaltungen gelang es dennoch, den Verein zu erhalten. Ende der 1920er-Jahre folgten weitere sportliche Erfolge. 1930 und 1931 gewann die Mannschaft ihre Gruppe, ehe 1931 der Aufstieg in die A-Klasse gelang. Gleichzeitig wurde ein neues Sportgelände erschlossen, da der bisherige Platz bei Regen regelmäßig überflutet war.
Die Zeit des Nationalsozialismus griff auch in das Vereinsleben ein. 1933 musste die Vereinsführung im Zuge des sogenannten „Führerprinzips“ neu organisiert werden. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs kam das Vereinsleben schließlich fast vollständig zum Erliegen. Zahlreiche aktive und passive Mitglieder wurden zum Militär eingezogen, viele von ihnen kehrten nicht zurück. Auch der damalige Vorsitzende Karl Hermann und Kassier August Leppert kamen im Krieg ums Leben.
Nach Kriegsende begann der Wiederaufbau. Da unter französischer Besatzung zunächst alle Sportvereine als aufgelöst galten, musste der Verein offiziell neu gegründet werden. Die Gründungsversammlung fand am 25. Mai 1946 statt, im August wurde der Verein von den Militärbehörden genehmigt. Bevor wieder Fußball gespielt werden konnte, mussten die Mitglieder unter anderem einen quer über den Sportplatz verlaufenden Schützengraben zuschütten. Auch Trikots und Transportmöglichkeiten waren knapp. Trotzdem begann bereits im Herbst 1946 wieder der Spielbetrieb.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich der FV Rheinlust zu einem festen Bestandteil des Söllinger Dorflebens. 1950/51 gelang der Aufstieg in die A-Klasse, 1957/58 erneut. Einen weiteren Höhepunkt erlebte der Verein in den 1960er-Jahren: Nach einer Meisterschaft 1966/67, bei der der Aufstieg noch knapp verpasst wurde, wurde die erste Mannschaft 1967/68 erneut Meister und stieg in die A-Klasse, die heutige Bezirksliga, auf. 1970 konnte der FV Söllingen bereits sein 50-jähriges Bestehen feiern. Auch in den folgenden Jahrzehnten wechselten sportliche Erfolge und Rückschläge einander ab. Neben den Seniorenmannschaften gewann insbesondere die Jugendarbeit immer mehr an Bedeutung.
Die 1980er- und frühen 1990er-Jahre waren teilweise von sportlichen und organisatorischen Schwierigkeiten geprägt. 1989 und 1990 geriet der Verein sogar in eine Situation, die laut Chronik seine weitere Existenz gefährdete. Durch das Engagement der Verantwortlichen und Mitglieder gelang jedoch ein erneuter Aufbau. Anfang der 1990er-Jahre näherte sich die erste Mannschaft wieder den Aufstiegsplätzen, der große Erfolg ließ aber zunächst auf sich warten.
Dieser gelang schließlich in der Saison 1996/97. Nach einer starken Runde machte der FV Söllingen am 4. Mai 1997 mit einem 5:0 gegen den SC Wintersdorf die Meisterschaft in der Kreisliga B und den lang ersehnten Aufstieg in die Kreisliga A perfekt. Die Meisterschaft wurde mit einem Siegeszug durch Söllingen und einem großen Fest gefeiert. Auch andere Mannschaften des Vereins sorgten für Erfolge: So errang beispielsweise die Damenmannschaft in der Saison 1999/2000 die Meisterschaft.
Im neuen Jahrtausend wurde es für kleinere Vereine zunehmend schwieriger, genügend Spieler für eigene Mannschaften zu gewinnen. Besonders der demografische Wandel und das größere Freizeitangebot machten sich bemerkbar. Deshalb traf der FV Söllingen 2011 eine der wichtigsten Entscheidungen seiner jüngeren Geschichte: Gemeinsam mit dem früheren Rivalen FV Stollhofen wurde die SG Stollhofen/Söllingen gegründet. Aus zwei Konkurrenten wurde eine gemeinsame Mannschaft. Die Zusammenarbeit zahlte sich schnell aus. Bereits in der Saison 2011/12 wurde die zweite Mannschaft der Spielgemeinschaft Meister der Kreisliga B3. Später konnte die SG als Vizemeister der Kreisliga A sogar den Aufstieg in die Bezirksliga feiern.
Neben dem sportlichen Geschehen war der Verein während seiner gesamten Geschichte ein wichtiger gesellschaftlicher Mittelpunkt Söllingens. Sportfeste, Jubiläen und zahlreiche weitere Veranstaltungen prägten das Dorfleben. Viele Bau- und Renovierungsmaßnahmen am Sportgelände und Clubhaus wurden mit erheblicher Eigenleistung der Mitglieder umgesetzt. Besonders wichtig blieb zudem die Jugendarbeit, die zunehmend gemeinsam mit anderen Vereinen organisiert wurde.
Im Jubiläumsjahr 2020 blickte der FV Rheinlust Söllingen schließlich auf 100 Jahre Vereinsgeschichte zurück. 17 Vorsitzende hatten den Verein bis dahin geführt. Seit 1995 stand Jürgen Ernst an der Spitze und konnte somit gleichzeitig sein 25-jähriges Amtsjubiläum feiern. Für die Zukunft setzte der Verein weiterhin auf die Zusammenarbeit mit dem FV Stollhofen, die Förderung des Nachwuchses und das ehrenamtliche Engagement seiner Mitglieder.
Die Geschichte des FV Rheinlust Söllingen ist damit nicht nur eine Geschichte sportlicher Siege und Niederlagen. Sie zeigt vor allem, wie ein Verein Kriege, Inflation, wirtschaftliche Schwierigkeiten, gesellschaftlichen Wandel und sportliche Krisen überstehen kann, wenn Mitglieder und Verantwortliche gemeinsam Verantwortung übernehmen. Aus den 23 Gründungsmitgliedern von 1920 entwickelte sich so über ein Jahrhundert hinweg ein Verein, der Fußball, Gemeinschaft und das gesellschaftliche Leben in Söllingen dauerhaft miteinander verbindet.